Wie ich wurde, wer ich bin …

Timeline of my Worklife

24.07.1976

In die Welt geworfen

Deutschland im Jahr 1976. Es war ein verdammt heißer Jahrhundertsommer und mittendrin, am 24. Juli wurde ich an den Koordinaten 51°15'25.9"N 7°45'54.3"E in diese Welt geworfen. Sternzeichen West: Löwe. Sternzeichen Ost: Drache.
1976-1986

Sozialisation

Aufgewachsen als Arbeiterkind, umgeben von massig Büchern und lebendigen Diskussionen, sozialisiert in einer Familie, die Freiheit, Kreativität und Bildung stets förderte ohne sie mir aufzuzwingen. So wuchs ich als kleiner Forscher, Entdecker und Tüftler heran.
1986

Erster Kulturschock

Im Alter von 10 Jahren ereilte mich ein totaler Kulturschock. Mich verschlug es als preußisches Wirtschaftsflüchtlingskind nach Bayern, oder besser gesagt in ein unterfränkisches Dorf, dessen Sprache ich absolut nicht verstand. Zum Glück stammte meine spätere Frau von dort. Das machte einiges wieder gut.
1996

Abi mit Trotz

In der Schneewittchenstadt im Spessart machte ich mein Abitur - mit Ach und Krach. Die Institution Schule konnte mir sowieso nur selten das bieten, was meiner jeweiligen Neugier entsprach. Doch die Schule stärkte vor allem mein trotziges „Jetzt erst recht!“ Gefühl. Einige Lehrer teilten mir zum Abi mit, dass ich später ganz sicher nichts mit Deutsch oder Kunst machen werde. Zum Glück wurde ich Mediendesigner, Blogger, Publizist und Buchautor.

Autodidakt

Zum Glück verdarb mir die starre und zum Großteil für mich langweilige Schulzeit nicht meine Gier nach Wissen. Ich kam als Autodidakt zur Welt und musste mir das Laufen schließlich auch selbst beibringen. Also sauge ich bis heute alles auf, was mich fasziniert und Anschluss an mich findet. Ein Leben ohne Lernen stelle ich mir schrecklich vor. Später erfuhr ich, dass es dafür sogar einen Fachbegriff gibt: „Konstruktivistisches Lernen“.
1996-2000

Sturm & Drang

Ich liebte es schon sehr früh in viele verschiedene Lebenswelten einzutauchen und ständig zu experimentieren. Ferien- und Nebenjobs waren nicht nur eine gute Gelegenheit sich etwas Kohle dazu zu verdienen. Ich lernte auch andere Lebenswirklichkeiten kennen. Ich arbeitete in Fabriken, im Metallbau, als Stadtreiniger, Zeitungsausträger oder Gebäudereiniger. Nach meinem Zivildienst probierte ich zudem einen Studiengang nach dem anderen aus und durchlebte dabei eher meine rauschenden Sturm & Drang Jahre.
2000-2003

Lehrjahre sind keine ...

Bodenhaftung erhielt ich das erste Mal wieder bei meiner Ausbildung als Mediendesigner in einer Werbeagentur (nach vorherigem Praktikum). In dieser Zeit infizierte ich mich mit dem Zauber der glitzernden Welt der Werbung und was man mit Kommunikation alles gestalten kann. Es folgten Jahre voller Nachtschichten, Schweinebäuchen (so nannte man die Anzeigen in der Handelswerbung), großer Verantwortung, aber auch jeder Menge Erfolgserlebnisse. Das war die ideale Lernumgebung für mich. Ich wurde gefordert und gefördert.

Mein erstes Mal Digital!

Ich bin ein C64 Kind. Computer fand ich schon immer super. Und die erste Begegnung mit dem Internet war wie ein Donnerschlag. HTML hatte ich mir bereits vor Beginn meiner Ausbildung selbst beigebracht – Stefan Münz HTML 4 Online Kompendium sei Dank. Ich hatte dann auch großes Glück einen Teil meiner Ausbildung in der Frankfurter und Münchener Agentur-Filiale zu absolvieren. Dort entwickelte, gestaltete und programmierte man Websites für Kunden. Und ich war dabei. So wurde ich ein echter Brücken-Designer. Jemand, der sowohl Printlayout als auch Screendesign gleichzeitig lernen durfte.
2003

First Fail

In meiner Freizeit beschäftigte ich mich weiter mit Marketing und Werbung, verschlang allerhand Bücher - von David Ogilvys "Geständnisse eines Werbemannes" bis zu jedem Marken-Fachbuch, dass ich damals in die Finger bekommen konnte. Denn direkt nach meiner Ausbildung wollte ich natürlich nicht für eine Agentur arbeiten, sondern gleich selbst eine gründen. Natürlich gingen meine ersten naiven Schritte in die Selbstständigkeit schief.
November 2003

Gründung Werbeblogger.de

Trotz des fulminanten Scheiterns als Agenturgründer konnte ich wegen mangelnder Aufträge wenigstens mein erstes Weblog – gemeinsam mit meiner damaligen Gründungspartnerin – aufziehen. So scheiterte ich zwar als Agenturinhaber, konnte dafür aber eines der ersten und erfolgreichsten deutschen Fachblogs zu den Themen Marketing, Werbung und PR gründen und gemeinsam mit zahlreichen Co-Autoren führen: Den Werbeblogger.
2004

Werbeblogger Attitüde

Der Werbeblogger wuchs und wuchs und wurde im Laufe der Jahre eine wichtige Anlaufstelle für die deutsche Werbeszene und sogar darüber hinaus. Ich selbst nutzte das Blog anfangs eigentlich nur als autodidaktisches Hilfsmittel, denn dort verewigte ich alles was ich woanders gesehen und gelesen hatte. Zugleich tobte ich mich dort als Rebell aus. Ich war äußerst selbstbewusst, rotzfrech und zerriss regelmäßig stumpfsinnig wirkende Werbekampagnen, da ich schon damals das Gefühl hatte, dass Unternehmenskommunikation oftmals nicht kundenzentriert genug agierte und Werbung die Menschen eher nervte statt sie zu begeistern.

New Marketing, Cluetrain & Digitaler Wandel

Ich wurde ein Missionar oder Evangelist der „New Marketing“ Bewegung, angeführt von US-Amerikanern wie Seth Godin, Robert Scoble, Joseph Jaffee oder Jeff Jarvis und natürlich war das Cluetrain Manifest meine Bibel. Ganzheitliches Marketing, dass andere Menschen begeistert und infiziert war fortan mein Ding. Und natürlich das Thema Digitalisierung, welches die Gesellschaft tiefgreifend umwälzen würde. Man nahm mich damals einfach noch nicht ernst, als ich z.B. vom Ende des Sendezeitenschema-Fernsehens sprach oder man Produkte (egal welche) künftig immer häufiger online kauft. Heute weinen viele, die damals noch lachten.
2005

Werberebell

Trotz oder gerade wegen meines Daseins als Werberebell wurde der Werbeblogger zum ersten losen Social Network der deutschen Werbeszene und rangierte zeitweise unter den Top 10 der meistgelesenen Blogs in Deutschland. Er wurde von Fans und Gegnern gleichermaßen täglich gelesen.
2006-2007

Buena la Vista!

In der Zwischenzeit, nach einem Intermezzo als Webdesigner in Fulda und als Grafiker für ein großes Möbelhaus, beriet ich seit 2007 Kunden rund um digitale Kommunikation (damals hieß das noch Web 2.0) als „fester Freier“ für eine kleine aber feine Werbeagentur mit Namen „Buena la Vista“ in Würzburg. Dorthin holte mich ein bis heute für mich sehr wichtiger Mensch und Mentor an Bord: Dieter Schneider. Und das obwohl oder weil ich die Arbeit seiner Agentur online kritisiert habe. Er dachte sich wohl: Na dann mach es mal besser!
2008-2009

E-Commerce leben und sterben

Nach dem vergeblichen Versuch den Werbeblogger zu professionalisieren - indem man ihn mit einem großen deutschen Fachverlag zusammengelegt - erreichte mich ein Anruf von einem Team, das damals für den Arcandor-Konzern arbeitete. Sie fragten mich, ob ich nicht als Querkopf Spaß daran hätte, mit ihnen eine kundenzentrierte und innovative E-Commerce-Plattform zu entwickeln. Logisch hatte ich das! Fast ein Jahr lang entwickelte ich als Berater gemeinsam mit dem Team eine Marke, ein Konzept und eine Plattform, die es so zuvor noch nicht gab. Allerdings auch nie geben sollte, denn bei Arcandor gingen plötzlich alle Lichter aus. Entsetzen pur. Ich fiel in ein tiefes schwarzes Loch.
2008

Abschied vom Werbeblogger

Zugleich machte mir der Werbeblogger so gar keine Freude mehr. Ich wurde zum ersten mal Vater und die erste Sinnkrise tauchte in meinem Leben auf: Immer nur Werbung? Das kann doch nicht alles sein, oder? Als ich dann beim Werbeblogger immer mehr über Philosophie, Soziologie und Digitalisierung schrieb, wollte das dort kaum jemand lesen, man war schließlich nur den guten alten Werberkram gewohnt und das konnte ja nichts mit Menschen- und Gesellschaftskunde zu tun haben (ja, nee ist klar) und so entschloss ich mich irgendwann den Werbeblogger genervt einfach loszulassen, sehr zum Entsetzen vieler Fans und meines damaligen Werbeblogger-Partners Roland.
2009

Breitenbach & Brown

Der Werbeblogger, mein Baby, war also weg. Ich musste mich neu erfinden. Zunächst versuchte ich es mit einem anderen „Enfant Terrible“ der Werbebranche und ebenfalls lange Zeit auf Werbeblogger aktiv: Marcus John Henry Brown. Wir lernten uns bei einem Werbebloggertreffen in München kennen und fingen gleich mal an uns heftig zu streiten um uns dann aber sehr schnell zu verbünden um uns mit jemand anderes über Werbung zu streiten. Dabei tranken wir viel Bier und seit diesem Abend lieben wir uns. Wir versuchten gemeinsam ein Business zu gründen. Ganz neu, ganz anders sollte es natürlich sein. Bloß keine Agentur. Bloß kein ödes Business as usual. Und wir dokumentierten die Gedankengänge zur Geschäftsentwicklung öffentlich als Briefaustausch im Blog unter dem Label „Breitenbach & Brown“. Leider hob die Maschine am Ende nicht ab. Wir standen beide unter wirtschaftlichem Druck und so trennten sich unsere Wege in dieser Sache viel zu schnell, zumal ich auch noch eines Abends einen Anruf erhielt, der erneut mein Leben veränderte.
2009

Karlshochschule Calling

Es war an einem Samstag Abend. Ich schaute gerade mit meiner Frau „Wetten dass ...“, als mein Telefon klingelte. Es war niemand geringerer als der ehemalige Yello Strom Chef Michael Zerr, der mich aus der Sauna heraus anfunkte. Er saß da gerade mit seinem damaligen Geschäftspartner Thomas Zorbach von vm-people, eine Agentur, deren ungewöhnlichen WOM-Kampagnen ich wahlweise im Werbelogger total verriss oder in den Himmel lobte. Beide lasen den Werbeblogger nicht nur, sondern liebten ihn. Die beiden sprachen über Michael Zerrs neues Projekt. Er hatte damals überraschend eine Hochschule in Karlsruhe übernommen, bei der er eigentlich bisher nur als Prof tätig war. Jedenfalls wollte Michael den Laden um 180 Grad umkrempeln. Big Change! Und dazu brauchte er noch ein paar Leute, die ihm dabei helfen würden, vor allem jemand, der die Hochschulmarke digital vernetzen kann und da dachte Thomas und er an mich.
2009

Eine Hochschule neu erfinden

„Helle Aufregung im Hause Breitenbach“ so lautete die Antwortmail mit meiner Zusage an Michael. Ich war vom ersten Moment an von der anstehenden Aufgabe elektrisiert. Es war ein so gewaltiger und unkonventioneller Change-Prozess, den ich von Anfang an nicht nur als Social Media Mensch, sondern direkt als Marketingleiter (obwohl ich mich nie selbst so nennen wollte, sondern mir stets Fantasietitel wie „Head of Content & Communication“ oder „Digital Ambassador“ gegeben habe) und Sparringspartner von Michael und vielen anderen damaligen Kollegen mitgestalten konnte. Eine Hochschule, die in vielerlei Hinsicht anders werden sollte. Und wir haben gemeinsam in den folgenden Jahren mit vielen engagierten Menschen nicht nur eine neue Marke, die Karlshochschule, erschaffen, wir haben gleiche eine Hochschule neu erfunden.
2011-2012

E-Commerce, man sieht sich zweimal

Die Karlshochschule erschöpfte mich. Ich brauchte einen Tapetenwechsel und so ereilte mich erneut ein zufälliger Anruf, der mein Leben neu erfand. Ein der Teil der alten Truppe von Arcandor meldete sich wieder bei mir, diesmal unter anderer Flagge. Es gäbe da ein neues großes Projekt. Wieder handelte es sich um eine wirklich innovative E-Commerce Plattform, die erstmalig Content, Beratung und Produkte in Einklang bringen sollte. Ich konnte diesem Angebot nicht wiederstehen und wurde Teil des Beraterteams, welches für einen Konzern mal wieder ein Start-Up aufsetzen sollte. Ich war dabei mit zuständig für die Markenentwicklung, das Screening und Auswahl der Dienstleister für Programmierung und Marketing und hatte den Hut auf beim UX und Interface Design der Plattform und war zugleich eine Art Hüter der Marke, so dass Produkt und Kommunikation im Einklang stehen sollte. Es war ein unfassbar komplexes Projekt, aber zugleich eine extrem spannende Zeit. Doch auch hier gingen leider dann kurz vor knapp die Lichter aus. Der Vorstandsvorsitzende verließ überraschend den Konzern und mit ihm starb auch das ambitionierte Vorhaben. Déja-vu! Da war es also wieder das schwarze Loch.
2012-2015

Hello again, Karlshochschule!

Doch die Karlshochschule fing mich wieder auf. Michael Zerr wollte mich unbedingt wieder haben. Erneut wirkte ich dort einige Jahre als "Digitaler Botschafter" und etwas später auch wieder als Interim Manager für Marketing und Kommunikation. Ich stieg außerdem als Lehrbeauftragter ein und wurde begeisterter Dozent für Module wie E-Business, Online Marketing, Social Media Lab, Media Creation und New Media Culture.
2012

Beratung & Podcasting

Parallel tat ich noch zwei Dinge: Mit dem mittlerweile langjährigen Wegbegleiter in verschiedenen Konstellationen, Thomas Zorbach von vm-people, beriet (und berate ich auch heute noch) ein paar spannende Kundenprojeke in Sachen digitaler Transformation und digitaler Produktentwicklung im gewohnt ganzheitlichen Ansatz. Und zugleich kam ich als umtriebiger Medienexperimentator auf die spontane Idee mit meinem langjährigen Freund Dr. Nils Köbel, unsere philosophischen und soziologischen Gespräche, die wir schon seit vielen Jahren auf der Couch im Wohnzimmer führten, einfach mal aufzunehmen und ins Netz zu stellen.
2012-?

Soziopod

So entstand Soziopod.de und fast 30 Episoden und 2 Jahre später standen Nils und ich auf einer großen Bühne in Köln um den Grimme Online Award in der Kategorie „Bildung“ entgegenzunehmen. Und das als erster deutscher Podcast überhaupt. Was für ein Knaller. Wir waren echt platt. So platt, dass wir auch ein wenig eingeschüchtert waren und erst einmal weniger produzierten. Doch irgendwann konnten wir den neuen Druck als Preisträger überwinden und legten wieder ordentlich los. Bis dann wieder ein Anruf einiges veränderte.
2015

Soziopod als Show und Buch

Eine Frau stellte sich als Mareike Neukam vom Lübbe Verlag vor und fragte mich, ob wir uns vorstellen könnten, ein Buch aus dem wunderbaren Soziopod zu machen. Na klar können wir das. Gesagt, getan. Und so entstand unser Buch „Wie ich wurde, wer ich bin, und was wir einmal sein werden“. Wir feierten die Premiere des Buches im Februar 2016 mit einem bereits zuvor entwickelten Soziopod Live Format. Bei der ersten Veranstaltung und bei der Buchpremiere in Mainz zum Thema „Die offene Gesellschaft und Ihre Freunde“ waren über 200 Menschen da um uns zuzuhören. Wahnsinn. Wir wiederholten das noch einmal in Hamburg. Es folgte eine Live-Call-In-Radiosendung beim Indie-Radiosender detektor.fm in Leipzig und wir sind heute noch lange nicht am Ende mit unserer Fantasie und freuen uns auf die stetige Weiterentwicklung und Fortsetzung des Formats.
2016-?

Stand heute

Stand heute bin ich nun nicht mehr als Interim-Manager und Dozent an der Karlshochschule tätig. Dafür biete ich Workshops bei econd.de an, bin Kolumnist beim Merton Magazin, halte Vorträge, nehme an Podiumsdiskussionen teil und bin nach wie vor als Berater auf der Suche nach neuen Projekten und komplexen Herausforderungen. Und wer weiß, vielleicht erhalte ich schon morgen einen Anruf, der erneut mein Leben durcheinander wirbeln wird ...

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Patrick Breitenbach

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